MODEVERGNÜGEN #53 Hingefallen, Aufgefallen - Wie die Oscarverleihung zu einem Vergnügen wurde
Der durchschnitts-blutrünstige Zuschauer will in der Oscarnacht vor dem Fernseher als Belohnung für’s lange Aufbleiben vor Allem das: Peinliche Patzer, schiefe Schnitzer und dunkle Schatten im goldenen Licht der begehrten Traumfabrik-Trophäe. Sind wir doch ehrlich, niemand auf der Welt schaut diese endlos zähfließende Veranstaltung, um sich eine brav auswendig gelernte Dankesrede nach der Anderen aufsagen zu lassen. Was dieses Event so sehenswert macht, ist die sabbernde Hoffnung live dabei zu sein, wenn Millionen-Dollar-Klunker behängte Übermenschen kurz ein Stück Verletzbarkeit durchblitzen lassen. Gierig warten wir auf perfekt geratene (geschnippelte, gebotoxte) Menschen, die plötzlich die Treppen in rauschenden Kleidern hinauf oder hinab fallen, auf die Schleppen ihrer Konkurrentinnen treten oder tiefe Einsicht in ihre Dummheit oder auf explizite Körperdetails geben.
Die Peinlichkeitskrone bleibt bei Frau Jolie, die nach ihrem Beinflipp-Desaster im letzten Jahr ihre Stylistin feuerte. Daran reichte 2013 niemand und auch in Zukunft niemals. Allerdings hat es die bezaubernde Anne Hathaway in diesem Jahr nicht nur zu einem Oscar in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ für das Filmmusical „Les Miserables“ gebracht, sondern mit ihrer Prada Robe zu dem selbsterklärenden Spitznamen „Les Nipplerables“. Ein erhellender Fremdschäm-Moment entstand, als die Frau mit der schönsten Robe und dem atemberaubendsten Lächeln eine unsaubere und doch elfengleiche Landung auf den roten Treppen, die die Welt bedeuten, hinlegte: Jennifer Lawrence gewann mit dieser rührenden Performance endgültig unsere Herzen und mit ihrer Hauptrolle neben Bradley Cooper in “Silver Linings Playbook” (ansehen!) das Goldmännchen für die beste Hauptdarstellerin. Damit symbolisierte sie innerhalb von Sekunden das, was Amerika und eigentlich auch der Rest der Welt so ultimativ liebt: Den tiefen Fall und die Wiederauferstehung eines Stars – bravo Jennifer!
Für einen Kleideraufschrei sorgte Helen Hunt mit der Antwort nach dem Designer ihrer Nachtblauen Robe, denn der große Modeketten-Schwede H&M war’s, der sie für diesen Abend in billigen, aber schönen Stoff hüllte.
Nachdem der Oscar in den letzten Jahren auf Biegen und Brechen jünger und spritziger werden sollte, war man schon eingestellt auf peinliche Hosting Gigs, aber der Oscar wurde wieder klassicher und blieb (leider) skandalfrei. Deshalb war die Sicht ungetrübt auf die Traumroben der Diven.
Und hier kommt meine Top 10:
1 Jennifer Lawrenze in Christian Dior Couture
2 Jessica Chastain in Giorgio Armani
3 Charlize Theron in Christian Dior Couture
4 Naomi Watts in Armani Privé
5 Halle Berry in Versace
6 Amy Adams in einem Tülltraum von Oscar de la Renta
7 Nicole Kidman in L’Wren Scott
8 Kristen Stewart in Naeem Khan

Platz 9 geht an Anne Hathaway und ihr Nippelkleid von Prada.

Platz 10 geht an Helen Hunt und ihre customisede (etwas knitterige und dennoch sehr schöne) H&M Robe.
