ARTVERGNÜGEN #25 – One on One in den Kunstwerken, Best of 2012 im Monopol, Anthropozän-Projekt im Haus der Kulturen der Welt

“Zwischen den Jahren” ist eine Transition Zone aus Gefühlen und Geschehnissen. Rückblicke, Ausblicke, dazwischen Augenblicke. In der elterlichen Obhut fühlt sich einiges, vor allem aber die Kunst, besonders fern und abstrakt an. Die Sinne werden mit dem Anblick von Wiesen und Feldern und einer “Kreuzfahrt ins Glück”(ZDF) auf Fastenkur gesetzt. Mama links, Papa rechts. Sollte das jemals langweilig werden zieht man Bilanz. So tut dies auch der Monopol, der sich als treuer Informant nicht zwischen den Jahren versteckt. Silke Hohmann formuliert als Vorsatz für 2013 augenzwinkernd „Zehn Verhaltensregeln für die Kunst“, ihre Kollegen lassen im Weiteren das vergangene Jahr Revue passieren.

2012, darin sind sich Freunde wie Familie einig, war irgendwie komisch. Nicht schlecht, nur turbulent. Irgendwie amüsant und das auch in der Kunst. Im Folgenden die Highlights in Zitaten:

Platz 3: “Sie tun, was sie tun wollen. Wir akzeptieren das, weil sie unsere Lehrer sind.”
Platz 2: “Die lassen hier kein Klischee aus – demnächst schneiden wir uns noch ein Ohr ab”.
Platz 1: “Die Frage ist nicht, ob wir Hunden oder Erdbeeren die Erlaubnis zum Wählen erteilen, sondern wie eine Erdbeere ihre politische Intention vorbringen kann.”
(Quelle: “Das Kunstjahr in Zitaten”, zusammengestellt von Monopol)

Ich lese weiter und Zack! reißt’s mich aus dem Sessel. Es ist noch nicht zu spät für alles. Im Halbschatten des Kunstblockbusters documenta wird im Ranking der Ausstellungen 2012 auch die aktuelle der KunstWerke, “One on One”, reich mit Medaillen behangen.

One on One – KW Institute for Contemporary Art
Schlag auf Schlag. Bang! Peng! – von wegen. Eher noch als mit einem Boxkampf ist das hier zu vergleichen mit einem Pferderennen, genauer genommen mit dem Moment vor dem Startschuss. Hufe scharrend reihe ich mich in die Menschenschlange vor einer der weißen Boxen ein, die als Mini-White Cubes in das KW gebaut wurden. Nach fünf bis zehn Minuten öffnet sich die Tür. Das “One on One” – Schild fällt von der Türklinke. Der Weg ist frei. Für mich allein.

Die Pause dazwischen sei wichtiger als das Wort an sich, heißt es oft. Auch bei „One on One“ spielt sich Entscheidendes dazwischen – in der Wartezeit ab. Man spekuliert mit den Anderen, was wohl hinter der Tür passiert. Gerade noch unterhielt man sich darüber, ob der kleine Sohn nun regelkonform allein die Box betreten wird, endet beim Austausch über die Unhygiene öffentlicher Toiletten und wähnt sich in Vertrautheit, ja sogar Vertrauen. Aber auch jene Verbündete verlässt wenig später den Cube mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck. Bestimmt hat auch sie davor nicht zugegriffen beim Milky Way. Was? Nein, das verrate ich euch jetzt auch nicht. Ohnehin wurde schon zu viel geschrieben über diese Ausstellung, die doch auch vom Überraschungsmoment zehren sollte.

Gezeigt werden Arbeiten von Massimo Bartolini, Nina Beier, Joe Coleman, Trisha Donnelly, Geoffrey Farmer, Hans-Peter Feldmann, FORT, Günter K., Annika Kahrs, Robert Kusmirowski, Alicja Kwade, Renata Lucas, Yoko Ono, Blinky Palermo, Anri Sala, Jeremy Shaw und Tobias Zielony.

Das KW versucht sich mit “One on One” erneut in der performten Institutionskritik. Geboten werden soll ein Moment der Intimität des einzelnen Besuchers mit dem jeweiligen Objekt, manchmal auch dem Künstler. Ich weiß, draußen scharren sie mit den Hufen, doch der Moment soll nur mir gehören, mir und dem Werk. Keiner schiebt sich zwischen mich und die Installation, das Video, das Bild. Und die Zeit nehme ich mir, auch wenn oftmals nur, weil ich mir nun schon die Mühe des Wartens gemacht habe.

Die Uhr rotiert (Alicia Kwades, “Light Presence”, 2012). Mit jeder Sekunde dreht sie sich ein Stück weiter um ihre Achse, tickt im Gleichtakt mit dem Schlag meines Herzens. Fünf vor Fünf. Ich muss los.

„One on One“ bis 20. Januar im KW
Auguststraße 69
Di  So, 12 – 19 h
Do 12 – 21 h
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

Donnerstag, 10. Januar, Das Anthropozän-ProjektHaus der Kulturen der Welt
Was bedeutet es für unser Selbstverständnis und unsere Zukunft, wenn die Natur menschengemacht ist? Noch bis 2014 werden in Roundtables, Ausstellungen, Thementagen und Filmprojekten  grundlegende Fragen des Menschenzeitalters erforscht, diskutiert, visualisiert und performt.

Das Programm gibt’s bei issuu.

Das Anthropozän-Projekt bis 2014 im Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10

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