ARTVERGNÜGEN #18 – Mega Special zur Berlin Art Week

BERLIN art week

Die Ohrwürmer der Music Week klingen noch nach während ich mich und euch der Berlin Art Week überlasse. Es scheint fast als käme diese um vom Untergang des art forum im letzten Jahr abzulenken. Es scheint aber auch, als ob sich diese Themenwochen aus Marketingsicht für Berlin auszahlen würden; nach und nach bekommt jede nicht nur kulturelle Disziplin ihre eigene. Ich finde den Gedanken an sich ja keinen schlechten, aber muss denn alles und davon so viel, so konzentriert in eine Woche gepackt werden? Ich versuche mich an einem knappen Überblick – und freue mich trotzdem auf die kommenden Tage.

DIENSTAG,11.09.
Sanfter Einstieg. Mein einziger Plan ist heute: flanieren. Eine Liste aller Eröffnungen gibt’s hier.

MITTWOCH, 12.09.
Als das Highlight des Berliner Kunstjahres wurde mir Cyprien Gaillard’s Ausstellung What it Does to Your City angepriesen. Der Franzose sei wie üblich mit seiner Skater-Gang zu erwarten. Überzeugt. Aber ich habe an dieser Stelle einen Auftrag zu erfüllen: Small Talk Fitness. Wer ist dieser junge Wilde, dieser Repräsentant der neuen Pariser Schule? Definitiv DER Hot Shot! 2011 gewann der Franzose den renommierten Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. Im selben Jahr war er bei der Venedig Biennale vertreten und lud zum Feierabenddrink auf seine Bierpyramide im KW (“The Recovery of Discovery”). Gaillard schafft mit einfachen Mitteln herausragende Kunststücke. Der Zugang zu seinen Werken ist einfach, der Stil nur so ambitioniert wie unbedingt notwendig, das Konzept aber geladen mit historisch-politischen Referenzen. Eine zentrale Frage ist jene nach der Rolle einstiger Monumente in unserer heutigen Zeit. So könnte man “The Recovery of Discovery”als institutionelle Kritik verstehen, eine Entheiligung des Museums durch das solidarische Besäufnis, eigentlich aber nahm er mit dem Import von 72.000 Efes Flaschen nach Deutschland Bezug auf die “barbarische” Relokalisierung des Pergamon Tempels nach Berlin. Dieser Akt trage die Zerstörung schon in sich. “I’m interested in things failing, in the beauty of failure, and the fall in general.” Bereits bei 30 Gebäudeabrissen war Gaillard vor Ort. Minute 02:24 dieses Videos ist atemberaubend – und genau diese Tatsache ist absurd und hinterlässt mich nachdenklich.

Ab Mittwoch verwandelt Gaillard den Schinkelpavillion in ein historisches Museum der Zukunft; seine bisher ungezeigten Skulpturen erzählen von Fortschritt und Zerfall, stehen für den Eingriff des Menschen in seinen urbanen Lebensraum. Um 20 Uhr findet eine Performance auf der gegenüberliegenden Baustelle statt.

What it Does to Your City bis 21.10.
Schinkelpavillion, Oberwallstraße 1
Do – So 12 – 18 h

Party im St.Agnes
Ihr könnt selbst das Ende des Tages performen bei einer Party im St.Agnes. Im Frühjahr wurde hier das Berlin Special des New Yorker PIN UP Magazins gelauncht. Man stand auf der Dachterasse des Gemeindezentrums, im Schatten der brutalistischen Architektur des Kirchturms. Bis es endlich soweit ist und Johann König‘s Künstler den 800qm Kirchenraum beziehen, stehen noch Renovierungsarbeiten an. Anlässlich der Art Week können die heiligen Hallen aber vorab besichtigt werden. Also: Mittags Open Haus, Abends Feier.

St.Agnes, Alexandrinenstraße 118-121
11h – open end

DONNERSTAG, 13.09.
Vom sakralen Raum in die Tempel der Neuzeit: die Messehallen.
Heute eröffnen die abc und PREVIEW Kunstmessen. Die abc art berlin contemporary gebührt der Vielfalt der Berliner Kunstlandschaft Respekt, erlöst die Galeristen vom Zwang, sich wie in 2011 (“About Painting”) und 2010 (“Light Camera Action”) geschehen, einem einheitlichen Thema zu unterwerfen. Dieses Jahr gibt es mehr Gestaltungsspielraum, konzeptionell wie auch architektonisch, lösen sich die Organisatoren doch von den streng formatierten Messeboxen. Ich bin gespannt wie die 129 Galerien aus 18 Ländern diese neu gewonnene Freiheit nutzen.

Jene Öffnung zeigt sich auch in der Präsenz des New Yorker “Artists Space”, einer Institution, die 1972 zur Förderung junger Künstler gegründet wurde, um sich mit neuen Formen der Produktion, den Verhältnissen von Kunstmarkt und institutioneller Arbeit sowie der Präsentation von Kunst auseinanderzusetzen. Im “Basar” werden Projekte von Verlagen, Filmverleihen, Plattenlabels und Architekten gezeigt. Zwei Interventionen werden die Messe performativ einnehmen. Und am Wochenende laden unter anderem die Kritiker und Kuratoren Anton Vidokle (Künstler und Gründer von e-flux ) und Jan Verwoert zu den Gesprächsrunden ‘”Networked media and cultural production” und “Intangible Economies’.

Die Konstante im neuartigen Konzept ist die immer lohnenswerte Messe für Kunstpublikationen, die MISS READ.

Hier gibt’s das Partnerprogramm noch einmal im Überblick.
abc vom 13.- 16. September
Station Berlin, Luckenwalder Straße 4-6

Eröffnung Donnerstag, 13.09., 18 – 21 h
Öffnungszeiten:  Fr, 12-20 h | Sa & So,12-19 h
Openingticket: 16 Euro
Tagesticket: 8 Euro

Das Preview Festival setzt Kunst auf die Überreste des zurückliegenden Berlin Festivals.  Zu Zeiten der art forum – R.I.P –  galt die PREVIEW als die Plattform für die emerging artists, etablierte Galerien präferierten eine konventionelle Box bei Messe Berlin. Jetzt aber werden die Karten neu gemischt: die etablierte Galerien, Newcomer und Kunsthochschulen präsentieren sich nun auch im Flughafen Tempelhof Seite an Seite und Solowände verhelfen weiterhin emerging artists zur Sichtbarkeit.

Flughafen Berlin Tempelhof 
Hangar2
Freitag, 14. September bis Sonntag, 16. September 2012
 täglich 13–20 Uhr
Tagesticket: 10 Euro
Eröffnungsparty ab 22 Uhr im Prince Charles, Prinzenstr. 85F

FREITAG, 14.09
Ich sehe schon das Merchandise vor mir: FUN CLUB! Neonfarbene Letter auf weißem Fruit of the Loom-Hoody. In den Uferhallen trifft sich das Kunst-und Feiervolk am Freitag Abend um den Japanese Grill von Cocolo Ramen. Wohlgenährt schwingt sich der Bauch bei der anschließenden Party besonders imposant. Die obligatorischen Installationen und Performances liefern Neon-Lichtreklame-Künstlerin Olivia Steele und Pictoplasma, die durch das gleichnamige Festival bekannte Plattform für Character-Design.

SAMSTAG, 15.09.
Ein Abstecher zu ein, zwei offiziellen Partnervenues der Berlin Art Week. Für 28 Euro bekommt ihr Zutritt nicht nur zu den Messen sondern auch den Ausstellungen der Akademie der Künste, Berlinische Galerie, C/O Berlin, Haus der Kulturen der Welt, KW Institute for Contemporary Art, Nationalgalerie, Verein der Freunde der Nationalgalerie, Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) e.V. Fairer Deal.

Was wo stattfinden wird könnt ihr hier nachlesen.

Na dann mal: Happy Art Week!

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