ARTVERGNÜGEN #17 – Farbfest vom Bauhaus, Bloggercall vom abc. und die Bockumenta

Bockumenta

Nach New York, Stockholm, London und Lissabon führt der nächste kulturell motivierte Ausflug nach Dessau. Für externe Schreiber steht ein Hotelzimmer in Berlin bereit. Und dann gibt es noch eine Persiflage auf die documenta, die Bockumenta 1. Lust?

Das Farbfest vom Bauhaus – Dessau
Es verlangt schon einiges an Kreativität für einen seit 1919, mit Unterbrechungen, jährlich stattfindenen Event kuratorische Titel zu finden. Und so geschahen Malheurs wie das „Metallische Fest“, das „Bart-, Nasen- und Herzensfest“ oder das „Schmierfinkenfest“. Von Anbeginn war es die Mission der Farbfeste ein buntes Kontrastprogramm zum Alltag zu bieten, Zerstreuung, Phantasie und Experiment zu finden und den öffentlichen Raum in einen offenen Bauhaus-Campus zu verwandeln.

Bei der diesjährigen Ausgabe “Statt Farbe:Licht” wird die gesamte Stadt, ihre Meisterhäuser und Parks, zu einem interaktiven Feld aus Sounds, Lichtmalereien, Performances, Installationen, Workshops, Talks (“Reflektionsräume”) und Touren (“Lichtpfade”). Gestaltet werden diese durch lokale und internationale Akteure sowie diverse Universitäten. Die Studenten des Sound Studies-Kurses der UDK, geführt von Robert Henke, als monolake eine Koryphäe der experimentellen Musik, gestalten auditive Räume. Körperbeherrschung velangt euch das virtuelle Labyrinth ab. Unter der Leitung von Christopher Bauder, Gründer von WHITEvoid, ein herausragendes Studio für interaktives Design, entwickelten Studenten der Hochschule Anhalt eine Variante des Spiels, bei welchem die Kugel über akrobatische Körperwindung durch virtuelle Gänge manövriert wird. Die Kunsthochschule Weißensee untersucht mit Sound Scape die Fähigkeit flexibler Oberflächen zur Generierung von Sound durch Bewegung, Berührung oder Verformung. Am Farbfest beteiligt ist auch das Institut für Raumexperimente, die Klasse meines Stars Olafur Eliasson, welches eine unsichtbare, akustische Statue errichten wird, sowie der legendäre Chaos Computer Club, der  2001 mit seiner Installation Blinkenlights am Haus des Lehrers den Status des Pioniers interaktiver Medienfassaden errungen hat. Am Festabend kann dann das Publikum mit den Giants of the Hoods, eine finnische Gruppe mobiler Guerillakünstler, die Straßen-Performance und urbane Videoaktionen zusammenbringen, über Motion Tracking als Avatare über die Hausfassade des Bauhauses tanzen.

Neben performativer Programmpunkte könnt ihr in der Ausstellung LichtHören Installationen für alle Sinne, aus Licht und Ton, erleben. Der Kurs Medien im Raum der Haller Kunsthochschule und Burg Giebichenstein präsentiert, mit typografisch inszenierten Videoinstallationen, seine Interpretation von “Was hinter uns liegt, liegt vor uns”.

Am Samstag schließt das Farbfest mit einer immersiven Party. Beim zurückliegenden CYNETART Festival 2011 in Dresden habe ich die interaktive Clubumgebung CHET, welche von VJs, DJs und den Besuchern kollektiv gestaltet wird, bereits auf ihre Unterhaltungsfaktor hin geprüft. Test bestanden. Der Beweis hier für euch.

31.August/ 01. September in Dessau
Kuratoren Burghard Duhm, Bauhaus Dessau, Susa Pop, Public Art Lab und Mirjam Struppek, interactionfield
Das Eintrittsbändchen für 3€ gewährt Zugang in alle Gebäude der Farbfest-Standorte: Bauhaus Dessau, Meisterhaus Schlemmer und Mensa Hochschule Anhalt.

Blogger-Call für die abc
Ein Call geht raus an unsere Leser in Nicht-Berlin: abc art berlin contemporary, eine der wenigen überlebenden Berliner Kunstmessen, lädt zwei Blogger zur Schreib-Residence nach Berlin ein. Eine Unterkunft wird dem Gewinner für drei Nächte im MANI Hotel am Rosenthaler Platz bereit gestellt. Für die Einen mag dies bereits das Highlight sein, für andere die Teilnahme am abc Special Guest Programm. Euer Kommentar zur Messe in Form von drei Blog-Posts wird dann im mobilen Kunstführer EYE OUT zu lesen sein.  Also beeilt euch: Anmeldefrist ist bereits heute, am 28.August. Wieso bist du genau die/der Richtige? Deine Antwort an: [email protected] Glück und anschließend Spaß.

Bockumenta 1 im Gestalten Space
Die Zeit bis zur Berlin Art Week (11.-16.September) müsst ihr unbedingt mit einem Besuch der Bockumenta 1 überbrücken. Frank Höhne, meiner Meinung nach einer der begnadetsten und unterhaltsamsten Illustratoren, ist der Mann hinter der Monographie The Book of Bock , die hier in Auszügen an der Wand hängt. Eigensinnig, naiv, simpel, knallig, hochgradig humorvoll, schamlos, abstoßend; “eine Darmspiegelung inspiriert mich achtmal mehr als der Besuch eines Museums”, erklärt er sich. Das zeigt sich oftmals recht wörtlich in den Texten oder Illustrationen.

Eine Aussage möchte ich korrigieren: simpel ist hier nichts, unterliegt seinem jüngsten Werk doch gar eine eigene Philosophy of Bock. Die Themenvorlage bot der Verlag selbst, als er anfragte, ob Frank Bock auf die Gestaltung einer Monogaphie habe. Hatte er. Zum Glück.

Ich liebe es auch einfach, ihm bei der Arbeit zuzusehen, bei welcher er sich von Spontanität und Intuition leiten lässt.

Bockumenta 1 noch bis 16.September
Gestalten Space, Sophie-Gips-Höfe, Sophienstraße 21

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