Montag, 18.03. Johann Holtrop - im Buchladen

Das erste Mal mit Rainald Goetz in Berührung gekommen bin ich, man glaubt es kaum, in meiner Schulzeit. Am Endes des Deutschleistungskurses durften wir uns die letzte Lektüre frei aussuchen, und Goetz war mit Rave tatsächlich auf der Liste. Außer meiner besten Freundin und mir war aber niemand anderes für Goetz zu begeistern, deshalb bearbeiteten wir damals etwas anderes. Trotzdem lasen wir Rave, und waren begeistert. So gelangte ich über viele seiner anderen Werke endlich im vergangenen Herbst an seinen neusten Roman Johann Holtrop.

Rainald Goetz hatte sich viel vorgenommen mit diesem Roman und es wurde vor allem auch sehr viel von ihm erwartet. In den letzten Jahren war ihm immer mehr das Scheitern unterstellt worden, weil er eben lange keinen richtigen Roman, sondern in Fragmente geschrieben, die thematisch sehr einseitig waren, die FAZ nannte ihn den "Dorfschreiber von Mitte." Rainald Goetz scheint also alles zu wollen mit Johann Holtrop. Mit diesem Typen an der Spitze dieses Konzerns die ganze Ekelhaftigkeit der Welt, der Wirtschaft, primär in Deutschland zeigen in den 00er-Jahren. Der erfolgreiche Johann Holtrop, im Grunde ein Wertevernichter und Menschenverächter, er und seine perverse Karrierelaufbahn konnten nur beschrieben werden in einem Umfeld voll von Gier, in dem es keine weisende Richtung mehr gab. Der Untertitel des Buchs „Abriss der Gesellschaft“ deutet klar in die Richtung, in die der Roman geht. Wobei das keine Richtung mehr ist, sondern das automatisch zur Totalkonsequenz führt und führen muss. Am Ende des Romans wird deutlich, dass es hauptsächlich um die Zerstörungskraft in Titel, Untertitel und Roman geht. In der Gesellschaft, die Goetz präsentiert und beschreibt, kann es nur einen Abriss, und zwar den absoluten, geben. Der Ausweg Hoffnung, an dem sich die meisten festkammern, ist in dieser beschriebenen Gesellschaft nicht mehr möglich.

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