Dienstag, 16.10. Spex – Am Kiosk

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Irgendwann, 2001 habe ich die Spex für mich entdeckt und dann lange Zeit monatlich gelesen. Die Chefredaktion packte The Notwist, Thees Uhlmann und Tocotronic auf das Cover, drinnen gab verrückte Interviews mit Charlotte Roche und Vincent Gallo, viele großartige Artikel, die sich nicht an Vergangenem intellektuell abarbeiteten, sondern den Zeitgeist mit dem notwendigen Feingefühl betrachteten. Dann verlor das Magazin den Fokus. Die Kapitäne wechselten, die Texte wurden entweder undurchschaubar oder zu einfach – die Spex schien nicht mehr zu wissen, ob sie hip oder hop wollte. Seit drei Ausgaben gibt es einen neuen Steuermann, der mich in der letzten Ausgabe komplett mitgenommen hat.

Das Themenuniversum ist weiter denn je, aber in den Texten passieren immer wieder kleine Wunder, die den Leser allein mit einer Einstiegsfrage an die Hand nehmen. »Penny Martin, wollen sie mich heiraten?« Natürlich möchte man dann sofort wissen wer diese Penny Martin ist ist, wenn die Autorin ihr einen Heiratsantrag macht.

Computeraktivist Stephan Urbach spricht über Selbstmordgedanken – man sieht die Tränen, die während des Interviews gelaufen sind. Markus Staiger bespricht wortgewandt die Deutschrapalben der letzten Monate, Johnny Häusler meldet sich in seiner Kolumne von Facebook ab und wieder an und Tino Hanekamp bereist die Orte in Mexiko, die sonst von Touristen gemieden werden. Eine gewaltige Reportage, wie sie weder Die Zeit noch Der Spiegel in den letzten Jahren hinbekommen haben.

Man merkt der neuen Spex die Aufbruchstimmung an. Das Magazin weiß wieder, wohin es möchte und woher es kommt und schafft ein Comeback, was sonst nur den ganz Großen gelingt.

Am Kiosk für 5,50 €

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  • M.

    großartig/wortgewandt/Der Spiegel/Großen