Archive for August, 2010

Do, 26.08. Donnerstags kein Fleisch – Kochen mit Florian Siepert

Letzte Woche Donnerstag haben wir zum fleischlosen Tag aufgerufen und tolle Reaktionen bekommen. Wir machen weiter. Für diesen Donnerstag haben wir den besten Koch (den wir kennen) gebeten, uns ein einfaches, vegetarisches Rezept zu schicken. Florian Siepert läutet den Spätsommer mit seinen farbenfrohen “Zucchinipuffern mit Tomatensalat” ein. Guten Appetit.

Weil ich in der gastronomischen Welt meine drei Sekunden Aufmerksamkeit dadurch erlangt habe, dass ich Anfang dieses Jahres eine Veranstaltung names Porkcamp organisiert habe, bei der 42 Menschen ein Wochenende mit der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen verbracht haben, freut es mich umso mehr, hier einen vegetarischen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. Es fühlt sich ein bisschen wie eine Anfrage für ein Country & Western-Set von Boysnoize an. Bekommt er sicherlich auch nicht so häufig.

Respekt vor Gemüse ist mir wichtig. Ich finde das gerade jetzt sehr angemessen. Offenbar ist es vollständig problemlos möglich, Ende August blassrote, nach nichts schmeckende Tomaten einer zahlenden Kundschaft zu präsentieren. Aber wenn man den zugegeben etwas unspezifischen Wunsch äußern würde, einen Menschen kennenzulernen und man bekäme Djamila Rowe zum Platz geführt, dann wäre das Geheule groß.

Es ist Spätsommer, ergo haben wir ein Anrecht auf richtige Tomaten. Ich empfehle in Berlin den Stand mit Gemüse aus der Lausitz in der Mitte des Wochenmarkts am Neuköllner Karl-Marx-Platz und ich empfehle noch mehr, dort nach russischen Reisetomaten zu fragen. Den Rest der unten erwähnten frischen Zutaten kriegt man dort auch.

Zwei feingehackte Schalotten in Olivenöl bei niedriger Temperatur schmelzen lassen. Zwei mittlere gelbe Zucchini grob raspeln und mit einem Ei, einem gehäuften EL Stärkemehl und einem gehäuften EL Mehl vermengen. Die Schalotten dazugeben, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Aus dem Teig ungefähr bulettengroße Puffer formen und ebenfalls in Olivenöl bei mittlerer Temperatur von beiden Seiten braten, bis sich eine schöne Kruste gebildet hat und der Teig auch im Inneren durchgegart ist.

Während des Bratens einen Becher Crème Fraîche mit einer Handvoll gehacktem Dill, etwas Zucker, Senf, Salz und Pfeffer verrühren. Zuletzt 400 Gramm russische Reisetomaten (oder andere deutsche Freilandtomaten, wenigstens die sollten jetzt überall problemlos zu bekommen sein) von Stiel- und Blütenansatz befreien, grob schneiden, und mit dem besten verfügbaren Olivenöl, Salz und Pfeffer anmachen, Säure bringen sie selber genügend mit. Noch eine großherzige Handvoll gehackte Petersilie dazu. Wahnsinnig kräftige Farben auf dem Teller, im Spätsommer ist man mit einem guten Rosé ja nie schlecht bedient, mit dem Herrn hier lässt sich darüber sicherlich weiterführend sprechen. Das ganze ist für zwei Personen gedacht und dauert kaum länger als zwanzig Minuten, das finde ich auch für einen Donnerstag abend gut zu vertreten.

Mi, 25.08. Inception – Zum zweiten Mal im Kino

Ich habe gerade nicht viel Zeit um mehr darüber zu schreiben und man könnte sehr viel über “Inception” schreiben. (Dass er schlüssiger als “The Dark Night” ist, dass Leonardo Dicaprio unglaublich ist, dass der Film einen Sog entwickelt, der noch Wochen später anhält. Man könnte über Träume schreiben. Über das Ende des Films. Über Kino im Jahr 2010. Über Oscars) Am Ende würde ein Satz übrig bleiben und bei diesem Satz werde ich es mal belassen:

Es ist der beste Film des Jahres.

Di, 24.08. We Are Scientists – Lido

We are Scientists sind zurück and we are begeistert! Nicht nur das sie Ex-Razorlight Drummer Andy Burrows mit nach Berlin bringen sondern auch neue Songs. Das allererste Aufeinandertreffen der Band fand im Herbst 1997 am College in Claremont, Kalifornien statt, als Keith Murray und Chris Cain sich bei einer Episode von Dawson’s Creek im Studentenwohnheim kennen lernten.
Nachdem sie 1999 ihren Abschluss gemacht und nach Berkeley gezogen waren, gründeten die beiden We Are Scientists. Nach langem Warten erscheint endlich das neue Album „Barbara“, und damit kommt die Band für eine Handvoll Konzerte wieder nach Deutschland. Lasst es euch nicht entgehen.

Skyy Swap Market am Freitag in Berlin

Ich hab in meinem Leben nur einmal Klamotten geswappt (schreibt man das so?). Ich Idiot habe betrunken mein “The Clash” Shirt gegen ein “Die Toten Hosen” Shirt getauscht. Im Rausch macht man komische Dinge. Meine Freundin und ihre Freundinnen lieben swappen und wissen natürlich schon längst Bescheid: Am 27. August wird im Berliner Stadtbad Oderberger Straße für den guten Zweck geswappt. Eigene Kleider werden gegen die von anderen Leuten und Prominenten getauscht und Berliner Labels wie C.Neeon, A.D.Deertz, JULIAANDBEN oder Von Bardonitz sind auch dabei. Der Erlös kommt der Berliner Aidshilfe e.V. zu Gute.

Die Swap-Spots, bei denen vorher die Ware angenommen werden:

SKYY SWAP Spot “Das Neue Schwarz”
Mulackstrass 32
10119 Berlin Mitte
Mo, Do – Sa 12 – 20h

SKYY SWAP Spot “La Lip”
Unlike Gallery / La Lip Showroom
Chausseestr. 116 (Hinterhof)
10115 Berlin Mitte
DO , FR 12 – 20 H, Sa 12 – 16h

SKYY SWAP Spot “Kauf Dich Glücklich Am Park”
Kastanienallee 54
10119 Berlin Mitte
MO – SO 11-20h

Der Beginn der Party ist 23 Uhr und der Eintritt für alle, die im Vorfeld keine Kleider abgegeben haben, kostet fünf Euro. Ansonsten könnt ihr euch hier anmelden.
Falls ihr ein The Clash Shirt seht, könntet ihr es mir dann bitte mitbringen? Vielen Dank!

Mo, 23.08. Auf eine Tramfahrt mit Christian Vorbau

Christian Vorbau haben wir vor Jaaaahren in seiner Heimatstadt Wuppertal kennen gelernt. Er hat uns eingeladen Remmidemmi und die Coverband Legende “Bad Saalschlacht” dort steigen zu lassen. Fiete und ich waren begeistert von Christians DJ Künsten (er kann mixen!) und seiner Herzlichkeit.
In Wahrheit ist er der Indiediscoking Deutschlands. Auf seiner Partyreihe King Kong Kicks finden sich von Kiel bis München monatlich alle Chucksträger des Umlands ein, ohne dass Christian selbst ein grosse Welle darum machen müsste. Bescheidenheit pur. Nebenberuflich arbeitet er für Eins Live, versucht den Radiosender von seinem sehr guten Musikgeschmack zu überzeugen und schreibt an einem Buch über Cassetten.

1. Was bereitet dir am meisten Vergnügen?
Gerade der Bundesliga-Start und das Kicker Managerspiel

2. Wo kann man sich in Berlin am besten amüsieren?
Am Wochenende nachts in der M10 zwischen Danziger & Warschauer

3. Wann ist die beste Zeit um los zu gehen?
Die Nachtlinien dürfen ruhig schon fahren

4. Was brauchst du um locker zu werden?
Schlafentzug kombiniert mit 2 Teilen Gin und 3 Teilen Tonic

5. Hast du gerade deine Spendierhosen an?
Die passt gerade nicht, zu fett. Kognitive Dissonanz

6. Das erste Mal richtig betrunken. Kannst du dich noch erinnern und was ist passiert?
Es ist lange her, anschliessend wurde meine Leber aus dem Organspendeausweis gestrichen.

7. Das letzte Mal richtig betrunken. Kannst du dich noch erinnern und was ist passiert?
Das war beim Dockville-Festival am letzen Wochenende, ich habe die Spielzeit sehr deutlich
überschritten und irgendwann war der Hauptschalter das letzte Mittel des Tontechnikers.

8. Was ist die beste Ausrede, wenn man einfach keinen Bock auf die Anderen hat?
Ich muss arbeiten.

9. Wann ist es Zeit nach Hause zu gehen?
Wenn man sich schön getrunken hat oder wenn die Musik aus ist.

10. Was ist das Beste, was dir an einem Montag passieren kann?
Ein voller Akku und ausgewogene Ernährung.

11. Und zu letzt, eine vergnügliche Empfehlung für den August bitte!
Den Indie Pop Circus am 28.08. im Comet Club kann man machen.

Kleine Wochenvorschau

Wie könnte man die Woche besser starten als mit einem Spätsommerhit. Macht Euch den hier erst mal an.
Während ihr nun Cee lo Green “Fuck you” hört und wild durch Eure Wohnung tanzt, mixen wir euch ein paar Empfehlungen unter. Es ist nicht viel los in der Stadt, aber etwas zum Vergnügen findet sich ja immer.

Mo, 23.08. Auf eine Tramfahrt mit Christian Vorbau
Di, 24.08. We are Scientists – Lido
Mi, 25.08. Inception – Im Kino
Do, 26.08. Donnerstags kein Fleisch mit Florian Siepert
Fr, 27.08. Hurts – Happiness
Sa, 28.08. Claudia Kotter liest – Gorki
So, 29.08. The Pale Blue Door – Gartenrestaurant

Zum Tod von Christoph Schlingensief

Es ist vier Jahre her. Ich war in Clärchens Ballhaus, um einen Absacker zu trinken und da sah ich Christoph Schlingensief mit ein paar Freunden feiern. Schnell im Internet nachgeschaut, um die Vermutung zu bestätigen, dass er an dem Tag Geburtstag hat. Ich war fasziniert in welch kleinem Kreis er das tat und wie angenehm einfach die Umgebung war. Kein Nobelrestaurant, kein Udo Kier, kein Champagner. Einfach im schönen Clärchens, wo jeder ein bisschen schwofen kann mit den besten Freunden Weinschorle trinken. Hinreissend.

Das erste Mal habe ich Christoph Schlingensief 1997 im elterlichen Wohnzimmer im Fernsehen gesehen. Da gab es diese Talkshow. Talk 2000. Der hektische Moderator mit der Igelfrisur war mir sofort sympathisch und der Irrsinn, den er veranstaltete elektrisierend. Schlingensief schrie wild herum, sprang auf und ab, brach mitten in der Sendung ab, um noch einmal von vorn zu beginnen. Natürlich ohne Schnitt. Er versuchte Beate Uhse zu der Beichte zu bringen, dass sie verantwortlich dafür ist, dass Menschen durch ihre Pornovideos Aids bekommen. Er sang mit Otfried Fischer und verliess seine eigene Sendung, weil er nicht mit Harald Schmidt mithalten konnte. Diese unerschrockene, aufrichtige und ehrliche Art und dieser Mut nicht geliebt zu werden – und gerade dafür geliebt zu werden – hat mich tief beeindruckt. Und nie mehr los gelassen.

Wenn ich heute, einen Tag nach seinem Tot, an ihn denke, dann sehe ich ihn im Ballhaus zum DJ gehen und sich ein Lied wünschen. Ich sehe wie er kurze Zeit später über die Tanzfläche springt und sehr wild und sehr ausgelassen tanzt. Dieses Bild werde ich behalten.

Das war der Song.