Archive for August, 2010

MIT VERGNUEGEN durch den September

Liebe Vergnügten,
es scheint leider wahr zu sein: der Sommer ist vorbei und der Urlaub auch. Die Stadt gehört wieder uns und dem Regen, der Arbeit und dem Vergnügen in geschlossenen Räumen. Alles was im August nicht los war wird jetzt nachgeholt. Doppelt und dreifach. Hier sind unsere Empfehlungen für den September:

02.09. Kraków Loves Adana – Bang Bang Club
04.09. Indiepopdays – Wasserturm Kreuzberg
06.09. All 2gether Now – Kesselhaus
08.09. Darwin Deez – Lido
10.09. Berlin Festival – Tempelhof
12.09. Closing – Bar25
16.09. Wintersleep – Lido
24.09. Peter Lindbergh – C/O Galerie
26.09. Fotos – Roter Salon
28.09. Moderat – Volksbühne

Remmidemmi ist nach einigen Gartenauftritten auch zurück im Club:

09.09. Berlin – Ich möchte Teil einer Jugendgefährdung sein @ Magnet
17.09. München – 59:1
18.09. Leipzig – Café Waldi
25.09. Berlin – Independent Night @ Magnet
01.10. Die hundert schönsten DJs der Stadt – Festsaal X-Berg

Viele Grüsse aus Berlin
Pierre & Matze

Di, 31.08. Arcade Fire – Tempodrom

Heute also Arcade Fire. Das Konzert ist natürlich restlos ausverkauft und nicht einmal die Schwarzhändler wollen ihre Tickets los werden. Bei Ebay gibt es nur eine Karte für 80 Euro. Wahrscheinlich spüren alle, dass es das letzte Mal ist, dass sie ihre Band in so einem “kleinen” Rahmen sehen. Arcade Fire sind auf dem Sprung in die Waldbühne und danach werden wir sie hier nur noch auf Festivals als Headliner sehen.

Über die neue Platte kann ich selbst noch gar nichts sagen. Angeblich ist sie besser als die letzte, aber noch grösser, noch bombastischer. Ein Statement für ihre Generation. Mich wundert, dass die Menschen, die bei der Nennung des Bandnamen “Coldplay” schon Bauchkrämpfe bekommen, mich jetzt aber anrufen und unbedingt ein “Arcade Fire” Ticket haben wollen. Wo liegt der Unterschied zwischen “Coldplay” und “Arcade Fire”? Beide Bands schreiben kleine Lieder und produzieren daraus, mit denen zur Verfügung stehenden (finanziellen) Mitteln, möglichst epochale Alben. Und danach wird verkauft. Über alle Kanäle. Coldplay arbeiten dabei mit Apple, Arcade Fire mit Google. Und um deswegen nicht als Erfolgsversessene Arschlöcher zu gelten (und das Karma aufzubesseren) wird sich sozial engagiert. Chris Martin schreibt sich Fairtrade auf die Hand und Win Butler spendet Partners in Health ein Lied. Beide Bands wissen sich zu inszenieren. Die Kanadier schnüren ihre Stiefel und führen öffentlich ein (Kelly) Familien Theater auf und beziehen sich in einem Song auf William Blake. Die Engländer bemalen ihre Klamotten und erzählen die Geschichte der psychedelischen Revolutionäre, die ganz wild und verrückt sind und benutzen für ihr Cover ein Gemälde von Delacroix. Thats´s Art Entertainment.

“Jay Z” hat einmal gesagt, dass es sehr viele gute Lieder gibt, aber nur sehr wenige Künstler die diese Lieder tragen können. Und darin besteht die Aussergewöhnlichkeit in Win Butler UND in Chris Martin. Sie wissen wie man eine Gang anführt und sie wissen wie man die Medien bedient. Verweigerung oder Anbiederung sind bei der Grösse der Bands einfach nur Mittel zum Zweck.

Ich weiss was ich jetzt mache. Ich ziehe mir ein weisses Shirt aus dem Schrank und schreibe einfach I LIKE COLDPLAY & ARCADE FIRE drauf. Als Statement!

Mo, 30.08. Blogs ansehen – Im Internet

Weil das Wetter heute so miserabel ist, dass man sowieso nur vor dem Computer sitzen mag, empfehle ich Euch diese 5 Blogs als kleinen Zeitvertreib.

www.stylespion.com

In letzter Zeit wieder mein Lieblingsblog. Kai Müller schreibt und fotografiert und scheint genauso schnell von kleinen Dingen begeistert zu sein wie wir. Mal ist es ein Video, mal ein Foto, mal ein aus Legosteinen gebautes DJ Pult. Für ein Fotoprojekt ist Kai letztens nach Island gefahren und hat dort die hiesige Musikszene fotografiert. Guter Mann.

www.hedislimane.com

Apropos guter Mann, apropos Fotos machen. Dass Jungs mit engen Hosen und Hüten durch die Strasse laufen und für Modeblogs fotografiert werden, haben wir ihm zu verdanken. Durch seine Arbeit für Dior hat er die Silhouette des Mannes für Jahrzehnte geprägt. Auf seiner Seite finden sich sein Fototagebuch und dafür fällt mir nur ein Wort ein: biblisch. Hedi fotografiert in schwarz weiss und friert jeden Moment ein.

www.pitchforkreviewsreviews.com

In New York bekommt man als DJ scheinbar noch weniger Geld als in Berlin. Dieser junge Mann bloggt über in Tequila bezahlte DJ Jobs, sinniert über schöne Frauen mit schlechten Musikwünschen, berät ungefragt Plattenfirmen und rät Win Butler endlich mit seiner reaktionären Hundescheisse aufzuhören. Köstlich.

www.thebigactive.com

Als mein Kumpel Azar letztens nach London wollte, sagte er nur: “I´m flying now into the 21th century.” Wer nicht verstehen sollte was er damit meint, braucht sich nur das Blog von The Big Active ansehen. Diese Damen und Herren wissen wie man ein Cover gestaltet. Nahezu unantastbar im Graphikdesign. Eine Quelle der Inspiration.

www.iheartberlin.de

Im Grunde machen Frank, CR und Suz nichts anderes als wir: Sie empfehlen Dinge die sie selber gut finden. Ein bisschen mehr Fashion als Musik, ein bisschen mehr Glam als Luftballons und schon ein bisschen länger als wir.

Kleine Wochenvorschau

Bäh!

Jetzt also wieder Herbst. Gute Idee, ganze tolle Idee. Gleich mal einen Karton voller Taschentücher kaufen, den Nachnamen der Apothekerin lernen und sich Antidepressiva verschreiben lassen. “Aber sie haben doch letzte Woche erst eine Packung geholt!” “Ja, mir sind die irgendwie abhanden gekommen Frau Tschirschwitz.” Zum Beginn des Herbstes geht einiges verloren. Die Laune zum Beispiel, man hat keine Lust mehr Eis essen zu gehen und Boot zu fahren. Meistens hat man gar keine Lust überhaupt aufzustehen.
Wir haben hart nach guten Gründen gesucht, um das Haus doch zu verlassen und auch welche gefunden. (Bei manchen bekommt vor Vorfreude fast schon wieder gute Laune.)

Mo, 30.08. Andere Blogs – Im Internet
Di, 31.08. Arcade Fire – Tempodrom
Mi, 01.09. Männertrip – Im Kino
Do, 02.09. Kraków Loves Adana – Bang Bang Club
Fr, 03.09. Olivier Huether “Umnachtung” – Malzfabrik
Sa, 04.09. Indiepopdays – Wasserturm Kreuzberg
So, 05.09. TV Noir mit Selig, BOY – Heimathafen

So, 29.08. The Pale Blue Door – Prinzessinnengarten

Von nun an wird uns das Wetter wohl häufiger einen Strich durch die geplanten Aktivitäten unter freiem Himmel machen. Gut dass The Pale Blue Door seinen Aufenthalt im Prinzessinnengarten bis zum 12.09. verlängert hat. Nun muss ich nur hoffen, dass ich noch einen Tisch bekomme.

Das Freiluft – Restaurant habe ich erst letzte Woche bei einem Spaziergang entdeckt. Eine blaue Tür mitten auf der Wiese markiert den Eingang. Zwischen niedlichen Bretterhütten stehen einfach ein paar Tische, die viel zu klein wirken. Alles ist wahnsinnig liebevoll dekoriert, man möchte sofort in diese Märchenwelt einziehen. Neben einem 3-Gänge Menü gibt an jedem Abenden auch eine Show. Hier kann man sich einen kleinen Eindruck verschaffen. Sieht das nicht toll aus? Du schönes Berlin.

Sa, 28.08. Buchpremiere “Gute Nacht, bis morgen” – Blumenbar Verlag

Dass Claudia Kotter ein Buch schreiben wird, daran habe ich nicht immer geglaubt. Und sie auch nicht. Wie denn auch? Als Kind hatte man ihren Eltern gesagt, dass sie keine 18 Jahre alt werden würde. Man fand bei ihr einen tückischen Infekt namens Sklerodermie.

Mit 18 brach die Krankheit dann mit aller Wucht aus. Während die meisten Menschen diese Zeit in Clubs oder auf Europareise verbringen, lag Claudia in der Charité. Sie hat gekämpft und auf eine neue Lunge gewartet. Ich habe Claudia durch ihren Verein “Junge Helden” kennen gelernt und wir sind Freunde geworden. Wenn wir uns gesehen haben, dann war das selten in der Küche ihrer Wohnung, sondern in ihrem Zimmer im Krankenhaus. Das war ein merkwürdiger Treffpunkt um jemanden näher kennen zu lernen. Doch obwohl alles nach Krankheit roch, ging es selten darum. Ich weiss nicht, ob ich Claudia überhaupt auch nur einmal jammern gehört habe. Ich glaube wir, ihre Freunde, haben verbal mehr gelitten als sie. Diese Standfestigkeit und der süsse Trotz hat mich wahnsinnig beeindruckt.

Jetzt lebt sie mit neuer Lunge, weniger Tabletten und einer übermenschlichen Energie. Sie hat ihre und die Geschichten ihrer Freunde in einem Buch zusammen getragen. “Gute Nacht, bis morgen”erzählt vom Krankenbett, von Zusammenhalt, von Familie. Es sind Geschichten die manche vielleicht nicht verstehen werden, aber die für die Eingeweihten umso bedeutender sind.

Die Lesung beginnt um 21.00 Uhr. Es lesen: Anna Maria Mühe, Regine Zimmermann, Julischka Eichel, Alice Dwyer, Jenny Ulrich. Der Blumenbar Verlag befindet sich in der Klosterstrasse 44. Eintritt: 10 Euro

Fr, 27.08. Platte von “Hurts” kaufen – Im Plattenladen

Heute erscheint sie endlich, die Debütplatte von Hurts und um mich herum scharren alle Damen ordentlich mit den Stiefeln. Für alle die diese Band noch nicht kennen: “Hurts” ist ein Popmonster, geschaffen von Martin L. Gore und Helmut Newton. Oder so.

Das Album beginnt mit dem gewaltigen “Silver Lining” und rettet gleich mit dem zweiten Song – “Wonderful Life” – Leben. Kleinen Brötchen backen stand nicht auf dem Plan – auf “Happiness” wird geschworen, geliebt und verlassen. Opernsänger wechseln sich mit Streicherflächen und Harfen ab, die Drums klingen satt und grossartig, so als hätte sich Allen Wilder heimlich ins Studio geschlichen. In “Devotion” darf wie selbstverständlich Kylie als Duettpartnerin ran. Auch hier die perfekte Wahl. Kylie die 80iger Popikone, die heute immer noch tanzt. “Hurts” wissen zu verknüpfen und im richtigen Moment auszubremsen und ganz am Ende, bei “Water” das Olympiastadion im Handylichtermeer erstrahlen zu lassen. So muss es sein, wenn man ein grosses Popalbum machen möchte.

Ich frage mich, ob Theo Hutchcraft und Adam Anderson jemals an sich gezweifelt haben. Diese Platte ist so geradlinig, so zielorientiert, jeder Ton, jeder Sound, jedes Wort ist da wo es hingehört – sitzt perfekt wie ihre Anzüge und ihre Frisur. Dass es ihnen gelungen ist, zwischen all den guten Ratschlägen, den massiven Schulterklopfern und der panischen Angst ihrer Plattenfirma so ein Werk zu erschaffen ist wirklich beängstigend.

Es besteht kein Zweifel: Hurts sind die ersten neuen Popstars dieses Jahrzehnts.